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Keine Angst vor 432

Marcus Wilhelm und Dirk Wilhelm sprechen beim 7. Kassler Zukunftsforum zusammen mit Armin Raatz über klimaneutrale Quartiere, Erfolgsfaktoren und Förderkulisse (KfW 432)

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Armin Raatz beim Zufo 23

von Diana Wetzestein
28.09.2023_Kassel. Der Klimawandel, auch beim Zukunftsforum in der documenta-Halle war der spürbar. In der Halle war es sommerlich warm, denn draußen hatte es noch über 25 Grad. Die Durchschnittstemperatur lag im September in Deutschland 3,9 Grad über den Referenzjahren 1961 bis 1990. Höchste Zeit also, um die Treibhausgasneutralität anzustreben. 
Die Energiewende ist ein wichtiges Thema. Das Zukunftsforum Energie & Klima, das zum siebten Mal in Kassel stattfand, lieferte wieder gute Beispiele für Städte und Kommunen, bot ein Netzwerk für „Macherinnen und Macher aus Unternehmen, Kommunen und der Energiebranche“, wie es Tarek Al-Wazir in seinem Grußwort sagte.

Unter den 24 Programmpunkten waren auch zwei Projekte aus Nordhessen. Unter dem Titel „Klimaneutrale Quartiere: Erfolgsfaktoren, Positivbeispiele und Förderkulisse (KfW 432)“, standen Armin Raatz, Geschäftsführer der KEEA Klima und Energieeffizienz Agentur GmbH, Marcus Wilhelm, Vorstand der Erbbau-Genossenschaft Kassel eG und Dirk Wilhelm, Sanierungsmanager der Gemeinde Breuna gemeinsam Rede und Antwort für den ländlichen Raum. Unter der Moderation von Prof. Dr. Peter Birkner, Geschäftsführer House of Energy e. V., stellten sie die Quartierskonzepte der Riedwiesen-Siedlung und der Gemeinde Breuna vor. Zwei Beispiele dafür, wie unterschiedlich die Herangehensweise bei der Entwicklung von Strategien und Maßnahmen sein können.

Im KfW-Programm 432 stehen Fördermittel zur integrierten Stadtentwicklung zur Verfügung. Armin Raatz kann auf zehn Jahre Begleitforschung zum Programm KfW 432 zurückblicken. Er riet den Zuhörenden, vor der Beantragung genau zu definieren, welches Ziel man erreichen wolle. Und vom Ende her zu denken, wo die Strom und Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien, eine neue Art der Mobilität, bessere Nahversorgung, Klimaanpassungsmaßnahmen oder den Abbau von Barrieren für das Quartier wichtig sein könnten. „Rufen sie alle Akteure zusammen, die später eine Rolle spielen oder informiert werden sollten. Vereine, Unternehmen und Menschen vor Ort“, so Raatz. Bei den Vorüberlegungen sollten die Rollen klar verteilt werden. Die große Chance bei dem Programm bestehe darin, dass die Themen aus einem relativ breiten Spektrum ausgewählt werden könnten. „Die Antragstellung ist einfach und nach acht bis zehn Wochen von der KfW entschieden“, so Raatz. Zusätzliches Personal könne schon während der Konzeptüberlegungsphase eingesetzt werden, die Förderquoten seien mit bis zu 95 Prozent sehr hoch. „Die Handlungsansätze, die sich dann innerhalb der ersten Phase ergeben, ergeben den Arbeitsplan für die Person, die in der zweiten Phase diese Möglichkeiten zur Umsetzung bringen“, so Raatz.    

Marcus Wilhelm, Vorstandsmitglied der Erbbau-Genossenschaft mit 360 Mitgliedern in 113 Ein- und Mehrfamilienhäusern in der denkmalgeschützten Riedwiesensiedlung, schilderte, dass der Impuls, dieses Programm in Anspruch zu nehmen, aus der Siedlung gekommen sei. „Das Programm war für uns am Anfang sehr abstrakt, in Gesprächen innerhalb der Genossenschaft und später mit dem Begleitbüro KEEA, wurde es greifbarer“, so Wilhelm. Dann hieß es, Menschen zu suchen, die sich in Arbeitsgruppen mit ihrem Know-how einbringen könnten. Es wurde nach innen und nach außen kommuniziert, die Zusammenarbeit mit der Stadt Kassel, den Stromversorgern, der Denkmalbehörde oder der Uni-Kassel über das Programm sei ein wichtiger Baustein in diesem Projekt. Der Antrag bei der KfW wurde über die Stadt Kassel eingereicht. „Wir sind dankbar, dass es so funktioniert hat und sind jetzt in der Konzeptphase, das Sanierungsmanagement kommt dann im nächsten Schritt“, so Wilhelm.  

In Breuna wurden das Energetische Quartierskonzept und das Sanierungsmanagement für sechs Quartiere parallel beantragt. Darum übernehmen die beiden Sanierungsmanager Dirk Wilhelm und Henk Härtel bereits während der Konzeptphase die Aufgaben, die innerhalb der Genossenschaft von vielen ehrenamtlich geleistet werden. Beispielsweise bei der Frage nach der Versorgung mit alternativer Energie, wo die gesetzlichen Regulierungen den Menschen in den Quartieren nicht immer entgegenkommen. Hier brauche es die im KfW-Programm 432 geförderte Öffentlichkeitsarbeit, die in Form von Veranstaltungen und Bürgerbeteiligungsprozessen dafür sorge, möglichst alle Fragen zu beantworten und niemanden zurückzulassen. „Ein Vorteil des ländlichen Raumes ist die strukturelle Vielfältigkeit. Hier sind Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe oder Privatpersonen oft in der Lage, Projekte umzusetzen und vieles selbst in die Hand zu nehmen“, so Dirk Wilhelm.  

Was diese Beispiele verbindet: Mit dem Programm KfW 432 werden Wege sichtbar, wie der Energieverbrauch individuell vor Ort reduziert werden und die Versorgung mit Wärme und Strom aus erneuerbaren Energien ermöglicht werden kann. Und das alles mit dem Angebot, die Bürgerinnen und Bürger von Beginn an in den Veränderungsprozess mit einzubinden.

Presseerklärung von Diana Wetzestein, KEEA (dw)

 

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